Historische Radios - Eine Chronik in Wort und Bild
Brandt
Firmengeschichte

Die 1908 in Berlin gegründete Firma präsentierte sich in den ersten Radioinseraten von 1924 als „Roland Brandt, Motorfahrzeugfabrik“. Später stand anstelle der Motorfahrzeugfabrik „Fabrik für Radiotelefonie“.

Das Lieferprogramm begann mit dem Detektorapparat, den Brandt als Radio-Morob und Radio-Gnom offerierte. Dazu kamen andere Kleingeräte: Ein- bis Dreiröhren-Audions und NF-Verstärker. Von den frühen Erzeugnissen schätzt der Radiosammler besonders das 1927er Modell mit der TeKaDe-Dreifachröhre.

Obwohl Brandt nie spektakuläre Radios auf den Markt gebracht hatte – die größten waren Dreikreiser – konnte die Firma 1932 unter den Bauerlaubnisnehmern Platz 15 belegen. Auch Mitte der Dreißiger gab es bei Brandt nur Geradeausempfänger, 1937 fast nichts mehr, 1938 und 39 Zweikreiser. Brandt nannte sie Jubilar, weil die einstige Motorfahrzeugfabrik 30 Jahre alt geworden war.

Nach dem Krieg nahm Brandt die Fertigung wieder auf, 1946, im 2. Dezember-Heft stand in der „Funktechnik“ zu lesen: „Nach den in allen Betrieben Berlins wohl ähnlich gelagerten Verhältnissen begann die Firma Roland Brandt, Fabrik für Radiotelefonie, mit der Fertigung von Spulensätzen für Rundfunkgeräte sowie eines Kleinempfängers, entsprechend dem früheren DKE.“

Diesem DKE 38 GW II folgten die neu gestalteten Einkreiser 146 GW und 148 GWKK, ein Sparsuper 448 GW und der Standardsuper, den man in den ersten Nachkriegskatalogen findet. In der Katalog-Ausgabe 1954/55 war die „Rundfunkgeräte-Fabrik Roland Brandt“ letztmals vertreten – mit zwei Batterie-Heimsuperhets. Dort fehlt der interessanteste aus dieser Saison – der Brandt-Fahrradempfänger, mit dem sich die einstige „Motorfahrzeugfabrik“ verabschiedete.

Brandt-Geräte sammeln? Die ganz alten natürlich. Im „Grüner“-Katalog 1925 findet man sie ohne Fabrikatangabe unter Nr. 15, Nr. 28, Nr. 49 und Nr. 65; auch Zenith war ein Gerätenamen der Firma Brandt.

Gefällig in der Bauform sind die 30er-Modelle LW 33 bzw. LW 44 mit eingebautem Lautsprecher sowie das Bakelitgehäuse des Columbus 170 von 1934/35. Sucht man den größten von Brandt: es ist der Dreikreiser LW 180 von 1932. Ganz nett wäre noch der WL 322 aus demselben Jahr, welcher auch über Frey-Radio, Berlin, vertrieben wurde.

Zur Abrundung einer Brandt-Sammlung aus der Vorkriegszeit käme noch eines der Querformat-Radios in Frage. Den Jubilar gab es 1939 in drei Ausführungen: 40 WK mit Stahlröhren, GWK mit V-Röhren und BK mit vier K-Röhren.

Die (wenigen) Brandt-Sammler sind auch an frühen Nachkriegsmodellen dieses Fabrikats interessiert, zum Beispiel am Einkreiser 148 GW (mit VEL 11) oder am Vierkreissuper 448 GW (mit VCH 11 und VEL 11). Produkte aus den folgenden fünf Jahren können Sammlerfreunde nicht begeistern, nur der Fahrradempfänger – den würde man sich etwas kosten lassen.