Historische Radios - Eine Chronik in Wort und Bild
Behm
Firmengeschichte

Walter Behm zählte im Wildwuchs der neuen Radiohersteller zu den wenigen, die man schon Anfang der Zwanziger als Rundfunk-Fachleute bezeichnen konnte. Im Verlauf von 27 Lehr- und Wanderjahren brachte er es zum Marineingenieur, sammelte dort seine funktechnischen Erfahrungen und wurde schließlich zu einem der Chefingenieure beim Bau des Panamakanals berufen.

Mit großem Interesse verfolgte er die amerikanischen „Broadcasting“-Entwicklungen und stand schon in den Startlöchern, als über die Einführung des Rundfunks in Deutschland noch gestritten wurde.

„Lampenempfänger, Niederfrequenzverstärker, Radiobaukästen, Honeycombspulen, Kondensatoren, Rheostaten, Transformatoren, Kopfhörer“ und manch anderes waren bereits im 1923er Lieferprogramm der „Radiogesellschaft Behm & Co. m.b.H“. Walter Behm war als einer der ersten im Besitz der Telefunken-Bauerlaubnis.

Auch den Wert der Werbung hatte er in Amerika kennen und schätzen gelernt. In Zeitschriften, Broschüren und Büchern konnte man über Behm und seine Erzeugnisse lesen, und sehen konnte man sie auf allen bedeutenden Messen des ersten Halbjahres 1924. „Walter Behms amerikanisch geschulter Blick“ – so schreibt Dr. T.Seifert in einem Bericht für das Berliner Journal „Die Woche“ vom 6. April 1924 – „sorgte dafür, daß das Innere des Radioapparates, der die Geheimnisse des Rundfunks aufnimmt und wiedergibt, keinem verschlossen bleibe. Behm zeigte auf der Leipziger Messe und auf der Berliner Sport- und Radioausstellung Musterapparate, deren Rückwände aus Glasscheiben bestanden, hinter denen jedermann das geheimnisvolle Wesen und Wirken des Radioapparates beobachten und studieren konnte. Das kann natürlich nur einer, der bei seiner Fabrikation   n i c h t s   z u   v e r h e i m l i c h e n   h a t.“

Behms Erfolgsmodell von 1923/24 war die Kombination des Einröhren-Sekundärempfängers L.R.E.1 mit dem Zweiröhren-NF-Verstärker L.F.22.

Dem L.R.E.1 folgte der gleich gestaltete L.R.E.11, ein Primärempfänger mit Rückkoppelung. Für den Export offerierte er die Typen A.R.10 mit L.F.2. Zur Produktion dieser Geräte und Einzelteile unterhielt Behm in Berlin SO 36 und N 58 die Werke I und II, und als Vertriebszentrale eine weitere Adresse in Berlin NW 6, später SW 11.

Plötzlich aber herrschte Funkstille – Behm war wie ausgelöscht. Schon auf der großen Berliner Funkausstellung vom Dezember 1924 suchte man die Gesellschaft vergebens und die 1925 noch in wenigen Blättern offerierten Behm-Geräte waren vielleicht schon Restbestände.

Was war passiert? War die Radiogesellschaft Behm & Co. vom selben Schicksal betroffen wie die Radiophon AG Cassel, mit der sie zusammenarbeitete? Dieses Unternehmen (siehe dort) mußte Mitte 1925 Konkurs anmelden...