Historische Radios - Eine Chronik in Wort und Bild
Atlas
Firmengeschichte

Die Bremer Atlas-Werke AG gründeten 1939 in München eine Zweigniederlassung, im August 1940 wurde sie ins Handelsregister eingetragen. Aus Berlin bzw. dem dortigen Oberkommando der Kriegsmarine kam die Weisung, daß der Herr Graf Ferdinand von und zu Arco-Zinneberg sein 8000 qm großes, bebautes Grundstück in München-Gern der Atlas-AG mit Ankaufsrecht zu überlassen habe. „Herstellung feinmechanischer und elektrischer Apparate – schalltechnische Spezialentwicklungen“ – so umschrieb man die Produktion militärischer Geräte, die zunächst mit einer 75-köpfigen Belegschaft begonnen wurde.

Echolot-Meßeinrichtungen bildeten einen Fertigungsschwerpunkt und in den S-Anlagen wurden offensichtlich viele Stahlröhren vom Typ EF 12 verarbeitet. Das erklärt, warum nach Kriegsende im Münchner Atlas-Werk der erste Rundfunkapparat Ra 1 – ein Sechskreis-Super – mit sieben (!) Pentoden EF 12 bestückt wurde. Die „Funktechnik“ 18/1947 berichtet darüber:

„Bei den Atlas-Werken, einem Tochterbetrieb der gleichnamigen elektro-medizinischen Fabrik in Bremen, kam der Bau eines vielversprechenden Kleinsupers, der speziell auf die Verwendung der Stahlröhre EF 12 zugeschnitten war, noch vor Beginn einer rentablen Serienfertigung durch die völlige Demontage des Maschinenparks zum Stillstand. Die etwa 400 bis dahin ausgelieferten Stücke (von denen bis heute noch keines wiedergefunden wurde, d. Red.) stellten übrigens den ersten nach dem Krieg konstruierten Super im Handel der Westzone dar“.

Ob sich die Funktechnik da nicht irrte? Sie versäumte es, den Zeitpunkt der Fertigung des RA 1 zu benennen – Ende 1945 gab es doch schon den Telefunken-Super B 644 GWK.

Trotz Demontage wurde im Münchner Atlas-Werk weitergearbeitet. Nun folgte der bescheidenere Einkreiser Ra 2, ausgestattet mit drei Röhren RV 12 P 2000. Die lagerten Im Bremer Werk in großer Zahl, schließlich brauchte man für jede, während des Kriegs dort gefertigte Gruppen-Horchanlage 52 Stück dieser Type. In Bremen versuchte man anfangs, mit medizinischen und Tonbandgeräten ins Geschäft zu kommen. Nur kurze Zeit jedoch, dann kamen Radaranlagen ins Fertigungsprogramm und bis Anfang der Fünfziger entstanden in dem Bremer Werk noch kleinere Schiffe.

Die Elektronik-Abteilung wurde abgespalten und die heutige „STN ATLAS Elektronik“ (mit ca. 4400 Beschäftigten) fertigt als Spezialität Simulatoren für nautische Schulungen.

Das Münchner Atlas-Zweigwerk hatte keine Zukunft. Dieser einstige Rüstungsbetrieb wurde vollends demontiert und 1948 aufgelöst.