Historische Radios - Eine Chronik in Wort und Bild
Aerophon
Firmengeschichte

...das war doch gar kein Gerätehersteller – so der Einwand des Radiohistorikers – das war doch dieses Frankfurter Handelshaus mit dem umfangreichen Radiokatalog...

Gegründet wurde die Aerophon AG, Frankfurt im Mai 1924 von den Herren Karl Adolf Schleußner, Dr. Peter Lertes, Fritz von Opel und Karl Mayer als Zwillingsgesellschaft der „Süfrag“, der Südwestdeutschen Rundfunkdienst-AG. Rote Zahlen würde dieses Frankfurter Sendeunternehmen schreiben, meinte man, die aber durch Gewinne der Aerophon-Handelsgesellschaft reichlich auszugleichen wären. Doch die Erwartungen verkehrten sich ins Gegenteil: der Sender bescherte Erträge, die Aerophon hohe Verluste – 1926 wurde die AG liquidiert.

Hier aber dreht es sich gar nicht um diese Frankfurter Firma, es gab in den Zwanzigern noch eine weitere „Aerophon“, deren Nachkriegsprodukte in dieser Dokumentation bevorzugt interessieren.

Wer wohl wußte hierzulande, daß es seit 1926 in Gablonz a.d. Neiße ein bedeutendes „Aerophon Radio Werk“ gab? Das war nicht ein Sammler alter Radios, es war der 1. Bürgermeister der weltbekannten Olympia-Stadt Garmisch-Partenkirchen, in deren Archiv ein Prospekt von „Aerophon“-Standard- und Luxus-Superhets aus den 30er -Jahren schlummerte. Bis in die Vierziger wurden Radios dieser Marke fabriziert.

1945 flüchteten viele Deutsche aus Böhmen ins alte Vaterland. Manche gingen ihrer Firmen verlustig – oft waren es Glas- bzw. Bijouterie-Fabriken – und gründeten in den Westzonen , z.B. in Idar-Oberstein, neue Betriebe. Auch die Familie Paar war unter den Geflüchteten, auch Josef Paar wollte sein Radiowerk neu erstehen lassen – in Garmisch-Partenkirchen.

Im Dezember 1946 konnte er die neue Firma „Aerophon-Radio-Bau“ ins städtische Gewerberegister eintragen lassen.

Die Firma arbeitete erfolgreich, im 1950er VERG-Katalog findet man die Aerophon-Modelle Piccolo, Grand-Super, Luxus-Super, Gigant und Export-Super. Bei diesen Empfängern handelte es sich durchweg um Sechskreiser, bestückt mit amerikanischen (Stahl-)Röhren. Man hätte sie wegen der besseren Export-Chansen bevorzugt – schrieb die „Funkschau“ im Heft 15/50. Ausführlich behandelt diese Ausgabe das „Superhetbauprogramm 1950/51“, welches auf der Deutschen Funkausstellung in Düsseldorf präsentiert wurde, beginnend mit den Aerophon-Modellen. Zu ihnen zählten auch zwei Exportgeräte, darunter der 696 DM teure, mit sieben Kurzwellenbereichen ausgestattete Gigant. Unterschiedlich war die Endstufen-Dimensionierung (12 Watt bei den „Luxus“-Superhets, Gegentakt-Endstufe im Gigant). UKW-Empfangsteile enthielten diese Geräte noch nicht, sie sollten erst später zum nachträglichen Einbau geliefert werden.

Die Erschließung neuer Absatzmärkte hätten in Düsseldorf Gestalt angenommen und es seien auch Messeaufträge erteilt worden. Aber zu Hause, in Garmisch-Partenkirchen, gab es ein Problem: Flüchtlinge suchten verzweifelt nach Wohnraum. Josef Paar hatte – wie uns die Familie des inzwischen Verstorbenen wissen ließ – Verständnis für Ihre Not und gab seine Fabrikation auf, damit diesen Menschen eine neue Unterkunft geschaffen werden konnte. Auch sein Plan, Fernsehgeräte zu entwickeln, wurde damit zu den Akten gelegt.

Man gründete eine kleine Familien-GmbH mit dem Ziel, Alarmanlagen herzustellen, zu vertreiben und installieren. Heute ist der Sohn Ing. Kurt Paar („Universal Elektronik“) mit seinen patentierten Einbruchmeldeanlagen weltweit im Geschäft.