Historische Radios - Eine Chronik in Wort und Bild
AEG
Firmengeschichte

Die „Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft“, kurz AEG, wurde 1883 als „Deutsche Edison-Gesellschaft“ gegründet. Die Verbindung zur Funktechnik fädelte ihr Chef Emil Rathenau ein.

Da saß auf dem Lehrstuhl für Elektrotechnik an der technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg schon seit 1882 ein Professor, der sich 1897 Marconis funkentelegrafische Versuche in England angesehen hatte. Dieser Adolf Slaby erforschte die physikalischen Grundlagen des Verfahrens (die den Praktiker Marconi nicht so sehr interessiert hatten) und dachte über Verbesserungen nach. Er arbeitete mit abgestimmten Schwingkreisen und verstand es, die Wellenlängen zu messen.

Mit Hilfe seines Assistenten Graf von Arco erzielte er auf der ersten deutschen Versuchsstrecke zwischen der Sacrower Heilandkirche und der Marinestation Potsdam brauchbare Funkverbindungen. Am Ende der Entwicklungen stand das verbesserte Funksystem Slaby-Arco.

Rathenau trachtete danach, die Erkenntnisse wirtschaftlich zu verwerten. 1898 holte er den Grafen Arco in das AEG-Kabelwerk Oberspree; der sollte die funkentelegrafische Abteilung aufbauen und das Slaby-Arco-System weiterentwickeln.

1903 wollte Kaiser Wilhelm II., der Slabys Vorträge schon 1897 gehört hatte, Tatsachen sehen und drängte AEG und Siemens zur Zusammenarbeit. Das Ergebnis, die Telefunken-Gesellschaft und deren Aufgaben wurde bereits im Abschnitt 1.4. ausführlich beschrieben.

Mit dem Beginn des Rundfunks trat AEG als Empfangsgeräte-Anbieter in Erscheinung. Beim Sammler besonders beliebt sind neben der Detektor-Verstärker-Kombination (in zwei breiteren Telefon-Blechgehäusen) und dem D-Zug die 5-Röhren-Neutrodyn-Empfänger. Schon 1924 kamen sie auf den Markt und waren bis 1926 als Geadyn-Empfangsgeräte zu haben; „GEA“ war die Umkehrung von „AEG“.

In den Folgejahren kamen sowohl hochwertige Empfänger als auch die primitiven Geadux-Radios auf den Markt. Die beginnende Wirtschaftskrise hatte den Trend zum Billig-Gerät eingeleitet.

Auch die AEG litt unter der Krise, gab Aktien im Wert von 30 Mio. Mark an die General Electric und konnte 1930 die Aktienmehrheit von „Sachsenwerk Licht und Kraft“ übernehmen. Damit erwarb sie auch eine weitere Rundfunkgerätefabrik, deren Erzeugnisse aber nach wie vor unter dem bisherigen Markennamen „Eswe“ entwickelt, gebaut und vertrieben wurden.

AEG blieb stets als eigenständige Marke im Handel, auch in der Zeit, als die Geräte mit denen von Telefunken und Siemens baugleich wurden. Mit ihren unterschiedlichen und zeitweise ausgefallenen Gehäuseformen sind sie beim Sammler gleichermaßen beliebt.

Durch eine Gesellschafter-Übereinkunft („Telefunken-Transaktion“) gingen mitten im 2. Weltkrieg – 1941 – auch die bis dahin im Besitz von Siemens befindlichen Telefunken-Anteile an die AEG, das bedeutendste deutsche Funkunternehmen wurde zu 100% AEG-Tochter.

Der Krieg war vorüber, in der AEG und ihren Tochterfirmen regte sich neues Leben. Während Telefunken wieder äußerst „Radio-aktiv“ wurde, gab es bei der AEG – die Rundfunkempfänger betreffend – keine Höhenflüge. Man legte dort wohl den größeren Wert auf die „weiße Ware“ – das waren Wasch- u.a. Haushaltmaschinen. Für die „Braune“ (die Radios) war schließlich Telefunken da, aber man wollte auch die Marke AEG beibehalten, weil nun die neu entwickelten Tonbandgeräte auf den Markt kamen und mit ihnen der Gesamtumsatz von Unterhaltungsgeräten noch etwas gesteigert werden konnte.

Mitte der Sechziger ging es dem Unternehmen schon nicht mehr so gut. Als zu dieser Zeit das Aktienrecht geändert wurde, hielt es die Telefunken-Mutter 1966 für angebracht, ihre noch immer gesunde Tochter in die AEG einzugliedern. So konnten die Kapitalreserven aufgestockt werden. Danach gab es auch bei Telefunken keine Gewinne mehr.

„Das Angebot der AEG-Vertriebsorganisation enthält nur noch Telefunken-Geräte“, so stand es im Katalog 1966/67. Jedoch – in den Ausgaben 1967/68 bis 1971/72 fand man die Erzeugnisse unter „AEG-Telefunken“. Dann verschwand die Marke „AEG“ – das „Radio“ betreffend – für immer. Ab 1972/73 wurden die Geräte der Unterhaltungselektronik – egal, wo gefertigt – nur noch unter der Marke „Telefunken“ offeriert. Nur die Marke „Imperial“, zu der die AEG 1969 gekommen war (siehe bei „Continental“), wurde als Zweitmarke beibehalten.

Nachdem man mit der „braunen Ware“ immer tiefer in die roten Zahlen geriet und andere AEG-Fertigungsbereiche längst nicht mehr zuschießen konnten, wurde Telefunken mit allen Produktionsbetrieben der U-Branche wieder ausgegliedert und an Thomson-Brandt verkauft.

1983 übernahmen die Franzosen 75%, 1984 schließlich den Rest. Damit war für die AEG das Rundfunkgeschäft abgehakt, bevor Daimler-Benz (1986/87) durch Übernahme der verbliebenen Unternehmensbereiche die drohende Liquidation der konkursreifen AEG verhinderte.

Schwarze Zahlen jedoch vermochten auch die „Sanierer“ unter dem Dach des Untertürkheimer Konzerns nicht zaubern. Weit mehr als eine Milliarde mußte Daimler opfern, und es war nur eine Frage der Zeit, wann nach der Abspaltung wesentlicher Geschäftsfelder auch der Kern des Unternehmens, die AEG-Zentrale, der Auflösung anheim fallen würde. 1996 wurde ihr Schicksal besiegelt. Jetzt ist nur noch der Name etwas wert – der hatte schließlich hundert Jahre lang einen guten Ruf.

Wie sagte doch Walther Rathenau (Sohn des Firmengründers Emil Rathenau, 1915 Präsident der AEG, 1922 Reichs-Außenminister und im selben Jahr ermordet) schon vor 85 Jahren so visionär: „Ein Unternehmen, so groß, blühend und mächtig es sei, schwebt unaufhörlich in Lebensgefahr.“

AEG-Radios sind beim Sammler beliebt. Das beginnt mit dem sogenannten D-Zug, dessen Komponenten im Gegensatz zu den schwarz lackierten Modellen von Siemens und Telefunken in polierten Edelholzgehäusen angeboten wurden.

Die Neutrodyn- bzw. Geadyn-Modelle von 1925/26 wurden bereits erwähnt. 1927 hörte man wenig von AEG. Nur der schmucklose Netzempfänger Geatron 1 wurde als Neuheit vorgestellt.

Die Netzempfänger-Serie setzte sich 1928 mit dem Geatron 3 fort. Der Geador von 1929, ein Fünf-Röhren-Dreikreiser mit aufgesetzter Rahmenantenne, gilt als besonders seltenes Sammlerstück. Weniger gefragt sind die schmucklosen Einkreiser aus der Wirtschaftskrisenzeit. 1932 gab es wieder schöne Geräte als Ultra-Geadem und Super-Geador L.

Interessant waren auch die Gehäuseformen der 34er Modelle mit individueller Eichung der Stationsskala. 1935 folgte die Meister-Serie mit den flachen, unten vorstehenden Skalen. Selten findet man heute noch einen AEG-Luxus-Großsuper der späten dreißiger Jahre. Die gleichartigen Telefunken-Modelle wurden damals bevorzugt.

Von den AEG-Nachkriegsradios interessieren den Sammler bevorzugt die kleinen Empfänger aus den End-Vierzigern, beginnend mit dem äußerst seltenen 127 GWK (VEL 11 / VY 2) – dem schönsten unter den damaligen Einkreisern dieser Art. Das Spitzenmodell 70 WU von 1950 war baugleich mit dem Telefunken T 5000: unter den späteren vermißt man herausragende Modelle.